Monatelanges Verhandeln mit Norbert Hansen

Nun wird Norbert Hansen sich doch nicht als Guerilliero oder Klassenkämpfer betätigen, er wird in den kommenden Monaten das tun, was er seit Jahren tut: verhandeln. Von meist sich gegenseitig widersprechenden Posten aus!

Nach einem dreitägigen Verhandlungsmarathon standen sechs Funktionsgruppen auf dem Abschlußpapier. Welcher der Bahnmitarbeiter zu welcher Gruppierung gehören wird, das muß in den nächsten Monaten erst ausgehandelt werden. Da hat Norbert Hansen dann alle Hände voll zu tun. Und kann Aufgaben und Funktionen der Angestellten der DB AG hin- und herrangieren. Denn das hat er ja gelernt: Rangierer - ein Hintergrundwissen, was kaum einer der sonstigen Verhandler mitbringt.

Was wohl die Lokführer-Gewerkschaft kommenden Montag zum Abschluß über 10% Lohnsteigerung bis 2010 sagt? Laut Transnet sollen ja einzelne Berufsgruppen deutlich mehr Geld bekommen als heute. Was auch immer das heißt.

Guerilliero Norbert Hansen

Während Norbert Hansen sich in Guerilliataktik versucht und dabei die Anstrengung unternimmt, dem Mitgliederschwund seiner Gewerkschaft durch Dezentralisierung und mobile Partisanengruppen zuvor zu kommen, feiern die anderen "Bahn-Beteiligten" eine Art von politische Vorweihnachtzeit.

Herr Tiefensee rät, wieder ganz gelassen: "Verhandeln ist besser als Streik."
Herr Schell gibt zu bedenken: "Wir können länger streiken, als Deutschland lieb sein kann."
Frau Merkel sagt: "Da hoffe ich einfach heute noch Vernünftiges zu hören."
Frau Suckale stimmt darauf wirklich den Vorweihnachtston an: "Das ist besser für ganz Deutschland."

Tatsächlich aber verhandeln heute erst einmal Transnet und GDBA mit der Bahn über über eine neue Einkommensstruktur für die Beschäftigten des Konzerns. Das machen sie ja schon länger, angeblich. Aber jetzt wird wirklich mit Streik von ihrer Seite gedroht.

Hansen schreibt, aber faxt nicht

Norbert Hansen schreibt an Hartmut Mehdorn einen Brief. Der wird aber nicht gefaxt -Hansen mag keine Faxen-, sondern per Kurier oder mit der Post zum Bahnchef gebracht.

Darin steht, daß auch Hansen und die Transnet gerne streiken werden, wenn nicht mit ihnen das GDL-Spiel gespielt wird. Schließlich sind sie viel mehr! Außerdem muß Hansen trotz aller Insider-Kenntnis über die DB AG sehen, daß er die zur GDL wechselnden Transnet-Mitglieder aufhält.

Die Transnet möchte deshalb auch bis zu 15% mehr Lohn haben, entsprechend den neuen GDL-Forderungen. Hansen hatte das ja schon Anfang der Woche mit Manfred Schell besprochen. Ob sie dabei auch über Schwund und Zulauf von und zu ihren Gewerkschaften gesprochen hatten, wurde nicht bekannt.

Kaffee mit Manfred und Norbert

Norbert Hansen möchte gern mit Manfred Schell am nächsten Streikposten Kaffee trinken und reden, während sich die Lokführer mit ihren unbefristeten Streik einrichten.

Das stimmt natürlich so nicht, zumindest nicht, daß die beiden sich erst an einem Streikposten treffen. Wahrscheinlich ist, daß die beiden am Verhandlungstisch von Bahnvorstand und GDL Kaffee bekommen, wenn über einen möglichen Ausweg aus dem Verhandlungslabyrinth des Bahnstreiks diskutiert wird am Dienstag.

Nicht ganz klar war Sonntagabend bei der Talkrunde von Anne Will, warum Frau Suckale Norbert Hansen extra zu den Gesprächen einlud. Er wäre ja sowieso gekommen als Mitglied des Aufsichtsrats ...

Hansens Gewerkschaft Transnet bereitet in der Zwischenzeit ihrerseits Lohnforderungen für einen Berufsstand vor, der viele Berufsgruppen bei der Bahn betrifft: die Beamten der DB AG sollen endlich am Gewinn der Bahn beteiligt werden.

Attraktion Traktion

Überall Streik - aber es gibt es eine neue Attraktion: alle wollen zur Traktion!

Die GDL z.B. hat keine schlechten Erfahrungen gemacht, man erinnert sich gern an die Zeit vor 1994, als unter dieser Bezeichnung alle Lokführer konzernintern zusammengefaßt waren bei der Deutschen Bahn. Und es gäbe noch mehr Gründe für Bahn-Beschäftigte in anderen Gewerkschaften zur GDL zu wechseln.

Norbert Hansen muß also sich endlich wirklich was einfallen lassen, wenn er noch weiter als Rangierer auf Vorstandsebene tätig sein will. Aber das muß er auch ohne die Traktion-Renaissance. Schon vor einigen Monaten konnte man selbst in der Welt lesen, was in diesem Herbst/Winter alles passieren könnte, immer wieder war es u.a. Thema auf dem "rangierer.de" ...

Alle warten also gespannt auf d i e Hansen-Idee!

Alle schreiben Briefe, auch Norbert Hansen.

Hartmut Mehdorn kam mit seinem Brief an Angela Merkel nicht so gut an; wobei nicht klar wurde, ob er als sein eigener Postbote in Indien arbeitete und den Bahn-Brief der Kanzlerin gleich selbst beim Treffen mit indischen Wirtschaftsgrößen in die Hand gab. Sie jedenfalls bestätigte den Erhalt des Briefes, nahm den Inhalt zur Kenntnis, war aber anderer Ansicht.

Als jetzt bekannt wurde, daß es neue Regierungspläne geben könnte zur einer anderen Art Teil-Privatisierung der DB AG, da nahmen sich auch Klaus-Dieter Hommel und Norbert Hansen einen Stift zur Hand - nein, sie diktierten natürlich ihre Briefe an Angela Merkel und - ja, sie drohten tatsächlich mit Streik, denn: sie möchten erforderliche Korrekturen durchsetzen!

Hoffentlich haben sie der Kanzlerin auch geschrieben bei was sie Korrekturen sehen wollen, bei der weiteren Privatisierung, bei der Teil-Privatisierung oder gar bei der Nicht-Privatisierung?

Neue Ideen in der Transnet

Bei diesem Zulauf von Bahnbeschäftigten in andere Gewerkschaften muß Norbert Hansen nun schnell ganz neue Strategien entwickeln. Nachdem er seine persönliche Ansicht zur Privatisierung der Bahn publizierte, steht einem offenen Austausch innerhalb als auch außerhalb der TRANSNET scheinbar nichts mehr im Wege.
Aber in der ehemaligen Gewerkschaft deutscher Eisenbahner ist das noch nicht immer nicht so richtig bekannt geworden, daß ihr Chef gar nicht möchte wie sie.

Vielleicht ist das gar nicht notwendig, denn mindestens drei Charaktere in diesem Tarif- und Privatisierungsspiel der Deutsche Bahn AG werden sich demnächst um andere Jobs kümmern müssen: Wolfgang Tiefensee, Hartmut Mehdorn, Norbert Hansen.

Und dann brauchen sie einfach nur neue Leute in der TRANSNET, an der Spitze!


 

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